"Still zu sein ist keine Schwäche." Was Sales heute ausmacht und warum gerade Frauen viel bewegen
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von Kristin Podewils
Was, wenn du in deinem Job nicht nur Umsätze, sondern auch echte Veränderung bewirkst? Jessica Stommel leitet seit 2024 den Women’s Football Sales Hub bei SPORTFIVE in Deutschland und arbeitet daran, Frauenfußball weiter zu professionalisieren und nachhaltig wachsen zu lassen.
Ursprünglich kommt Jessica Stommel aus dem Reitsport. Im Gespräch erzählt sie, warum der Frauensport ein echtes Herzensthema für sie ist, was Sales im Sportbusiness jenseits aller Klischees wirklich ausmacht und weshalb Diversität Teams stärker macht.
In diesem Insight:
Jessica, dass du bei SPORTFIVE mal die Vermarktung des Frauenfußballs verantwortest, war am Anfang deiner Karriere noch nicht abzusehen. Wie ist es dazu gekommen?
Ich komme ursprünglich aus dem Reitsport und war selbst als Springreiterin aktiv. Um mein Hobby zum Beruf zu machen, habe ich in den Niederlanden „Equine Sports & Business“ studiert - ein Mix aus Sportmanagement und Pferdesport. Danach war ich im internationalen Eventmanagement tätig und verantwortete dort bereits Vertrieb und Sponsoring bei Europameisterschaften. Bei einer Weiterbildung "Nachhaltigkeitsmanagement im Sportbusiness" an der Leuphana Universität in Lüneburg habe ich erste Kontakte zu SPORTFIVE geknüpft. Einige Zeit später gab es eine freie Stelle im Team Borussia Dortmund, was für mich als leidenschaftlicher BVB-Fan schon mal sehr spannend war - und dann noch mit dem Fokus auf Frauenfußball. Das war für mich der entscheidende Punkt: dass ich Themen wirklich gestalten kann, anstatt nur zu verwalten. Da hatte ich richtig Bock drauf.
Was genau ist deine Rolle bei SPORTFIVE?
Ich leite den Frauenfußball Sales Hub Deutschland, den SPORTFIVE vor ca. anderthalb Jahren gegründet hat, und bin sowohl strategisch als auch operativ für die Vermarktung des Frauenfußballs verantwortlich. Wir entwickeln Vermarktungs- und Weiterentwicklungsstrategien für die Frauenteams unserer Partnervereine und verantworten die Akquise neuer Partner und Sponsoren. Dabei behalten wir immer die Potenziale im Blick, die es im deutschen Markt für den Frauenfußball gibt und tauschen uns eng mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus den internationalen Women’s Football Sales Hubs aus.
Was macht dir besonders Spaß an deinem Job?
Dass du wirklich etwas bewegen kannst: für die Spielerinnen, für den Verein und am Ende auch für die Gleichberechtigung in der Gesellschaft. Frauenfußball ist längst kein Randthema mehr, sondern eine echte Bewegung und wirtschaftlich ein enorm wichtiges Wachstumsthema. Es ist weltweit die am schnellsten wachsende Sportart.
Den Frauenfußball weiter zu professionalisieren und nachhaltig zum Wachstum beizutragen, motiviert mich jeden Tag aufs Neue, genauso wie die vielen Highlight-Momente - die Emotionen, die inspirierenden Gespräche, die ganzen Female Empowerment-Themen, die dahinterstehen. Das Schönste ist: Die Spielerinnen, die Clubs und die Menschen, mit denen ich zu tun habe, sind für mein Engagement sehr dankbar. Das ist auch ein Grund, warum das Netzwerken im Frauenfußball viel einfacher ist, weil alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten: den Frauenfußball und den Frauensport insgesamt voranzubringen.
Sales ist viel mehr als nur der nächste Deal. Es geht um vertrauensvolle Beziehungen, um Beratung und strategisches Denken.
Jessica Stommel
SPORTFIVE möchte gern mehr Frauen für den gesamten Salesbereich gewinnen, auch außerhalb des Frauensports. Der Vertrieb ist klassischerweise eher männlich dominiert. Warum ist Sales auch für Frauen attraktiv?
Am Begriff „Vertrieb“ hängt oft noch so ein altbackenes Klischee – der Mann mit Anzug und Krawatte, der im Dienstwagen vorfährt. Dabei hat sich Sales in den letzten Jahren enorm verändert: Es geht heute viel mehr darum, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen zu Unternehmen und Entscheidern, um Beratung und strategisches Denken, nicht mehr nur um „Deal, Deal, Deal“.
Gerade das macht den Job attraktiv: Man kann Ideen einbringen, Konzepte entwickeln und wirklich etwas gestalten. Dafür braucht es sichtbarere, diverse Vorbilder und weniger Klischees – über das Sportbusiness genauso wie über den Vertrieb. Und: Sportlerinnen bringen oft einen Vorteil mit, weil der Umgang mit Leistungsdruck dort gelernt ist.
Still zu sein ist keine Schwäche. Wichtig ist, authentisch zu bleiben - und nicht nur laut zu sein, um wahrgenommen zu werden.
Jessica Stommel
Warum profitiert der Salesbereich von mehr Diversität und welche Tipps hast du für Frauen im Sales?
Frauen bringen für mich Stärken wie unterschiedliche Perspektiven, Authentizität und Empathie mit ein - also zuhören, verstehen und dann gezielt handeln. Unterschiedliche Perspektiven verbessern die Qualität und die getroffenen Entscheidungen- und damit auch den Sales. Bei bestimmten gesellschaftlichen Themen, wie z.B. den Gender Gaps rund um Gesundheit, Vorsorge, Finanzen etc., sind Frauen einfach die authentischeren Ansprechpartnerinnen, weil sie das auch aus ihrem Alltag kennen. Es geht nicht darum, Männer gegen Frauen auszuspielen, sondern das beste Team für den Erfolg zu formen.
Ich bin kein Fan davon, irgendwelche Listen abzuarbeiten von Eigenschaften, die Frauen im Sales mitbringen müssen. Wichtig ist, authentisch zu bleiben und sich nicht unter Druck zu setzen – z.B. ständig laut sein zu müssen, um wahrgenommen zu werden. Still zu sein ist keine Schwäche. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, mutig zu sein und Position zu beziehen, wenn ich einen klaren Punkt habe und einen echten Mehrwert biete. Das wirkt stärker, als ständig mitzureden.
Bei SPORTFIVE herrscht eine große Offenheit für mehr Frauen im Vertrieb und ich weiß das respektvolle und professionelle Miteinander sehr zu schätzen. Mein Wunsch wäre, nicht ständig über mein Geschlecht wahrgenommen zu werden, sondern einfach als Mensch, der seine individuellen Stärken, Erfahrungen und Perspektiven mit einbringt. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir irgendwann so viele Frauen im Sales haben, dass das nichts Besonderes mehr ist.