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Deutschland im NFL-Fieber: Warum Millionen Fans American Football lieben

Veröffentlicht am
von Kristin Podewils

Im November 2025 fand bereits zum fünften Mal ein NFL-Spiel auf deutschem Boden statt. Nach München und Frankfurt kam Berlin als dritte Gastgeberstadt hinzu, wo die Indianapolis Colts gegen die Atlanta Falcons antraten. Wie auch in den Vorjahren waren alle Tickets innerhalb weniger Minuten restlos ausverkauft – Dabei standen zeitweise bis zu 500.000 Fans gleichzeitig in der Warteschlange. American Football boomt in Deutschland wie nie zuvor und entwickelt sich zu einem der dynamischsten Wachstumsmärkte der NFL.

International Games der NFL

Die NFL hat die große Begeisterung der deutschen Fans für American Football und damit auch das Vermarktungspotential für ihre Sportart längst erkannt. Deswegen ist es keine Überraschung, dass auch in den kommenden Jahren fest mit weiteren NFL-Spielen in Deutschland geplant wird. Bis einschließlich 2029 sind Germany Games im Rahmen der Regular Season fest terminiert. München ist bereits als Austragungsort für 2026 geplant und auch Berlin steht für 2027 und 2029 bereits fest. Der Bedarf für weitere Spiele ist eindeutig da: Schon für das allererste Deutschlandspiel im November 2022 in der Münchner Allianz Arena hätten die Veranstalter nach eigenen Angaben rund drei Millionen Tickets verkaufen können. Weitere „International Games“ werden im Zuge der globalen Expansionsstrategie der NFL bereits teilweise regelmäßig in London, Mexiko-City, Irland und Spanien ausgetragen und für 2026 sind weitere Expansionen geplant.

Wie beliebt die Sportart in Deutschland ist, zeigt sich jedes Jahr an den Einschaltquoten des Super Bowls. 1999 verfolgten 580.000 Zuschauer den ersten in Deutschland frei empfangbaren Super Bowl. Bis 2025 hat sich die TV-Quote mit 1,55 Mio. Zuschauer verdreifacht und in 2026 waren mit bis zu 1,87 Mio. Zuschauern nochmal mehr Zuschauer vor dem TV, um den Sieg der Seattle Seahawks über die New England Patriots zu sehen.


Übertragungsrechte in Deutschland

Seit der Saison 2023/24 hat sich die RTL-Gruppe erstmals ein umfangreiches Rechtepaket gesichert und löst ProSiebenSat.1 nach zehn Jahren NFL-Übertragung ab. "American Football ist nach Fußball die beim 14- bis 49-jährigen Publikum begehrteste Sportart hierzulande", so die Begründung von RTL für den Erwerb der Rechte. Die lockeren, auch für Einsteiger gut geeigneten NFL-Sendungen auf ProSiebenSat.1 haben die Begeisterung für American Football in den vergangenen Jahren weiter erhöht. Die Ausstrahlung durch die RTL Gruppe dürfte der Sportart eine noch größere Reichweite beschert haben. Gleichzeitig sind die NFL Spiele auch im Stream bei DAZN verfügbar. Seit 2023 bietet DAZN außerdem den NFL Game Pass an, mit dem Zuschauer nicht nur ausgewählte Partien, sondern alle NFL-Spiele live und im Re-Live anschauen können.

  • 20,9 Mio.

    NFL-Fans gibt es in Deutschland

  • 3,6 Mio.

    der deutschen Fans verfolgen die NFL intensiv

  • 54 %

    der NFL-Fans sind zwischen 16 und 39 Jahre alt

Warum ist American Football so beliebt in Deutschland?

Rund 19 Millionen Fans gibt es nach NFL-Angaben in Deutschland, davon verfolgen 3,6 Millionen die die NFL intensiv. Der Deutsche Olympischen Sportbundes (DOSB) zählt 500 registrierte Football-Teams mit mehr als 70.000 Mitgliedern. Woher kommt das große Interesse?

Ob Musik, Film oder Sport – die deutsche Kultur ist stark von der amerikanischen geprägt. Viele deutsche Fans lernen American Football erstmals beim Schüleraustausch an einer High-School, im Auslandssemester an einem US-College oder als Au-Pair bei einer amerikanischen Familie kennen und lieben. Es ist aber nicht nur die gleichzeitig athletische und taktische Sportart, die den Reiz ausmacht, sondern auch die damit verbundene Fankultur. Dabei spielt auch der Community-Aspekt eine große Rolle. Das gemeinsame sonntägliche Footballschauen gehört zum festen Ritual von Millionen Amerikanern genauso wie das traditionelle Grillen auf den Parkplätzen der Stadien bereits Stunden vor dem Kickoff.

Langjährige Geschichte von American Football in Deutschland

Der Hype um American Football in Deutschland kommt nicht von ungefähr. In Deutschland stationierte amerikanische GI’s brachten die Sportart nach dem zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat mit. 1977 wurde mit den Frankfurter Löwen der erste American-Football-Club in Deutschland gegründet. Es folgten weitere Vereine und im Jahr 1979 erstmalig ein organisierter Spielbetrieb. 1992 kam die NFL erstmals zu Saisonvorbereitungsspielen nach Deutschland. Deutsche Top-Clubs wie die New Yorker Lions Braunschweig und die Hamburg Blue Devils bestimmten in den 90er und 2000er Jahren die europäischen Wettbewerbe. Selbst zu den ab 2007 jährlich im Londoner Wembley-Stadion zwischen zwei US-amerikanischen Teams ausgetragenen "NFL Europe Games" reisten laut NFL-Chef Alexander Steinfort jeweils bis zu 15 Prozent der Zuschauer:innen aus Deutschland an.

"Deutschland hat sich in vielen Bereichen zum wichtigsten NFL-Markt außerhalb der USA entwickelt."


Alexander Steinforth, NFL-Deutschland-Chef

Der ganz große Wurf der NFL

Schon jetzt hat die NFL ihr Ziel erreicht, die zweitbeliebteste Sportart hinter dem König Fußball zu werden. Dafür hat die Liga konsequent immer mehr Touchpoints geschaffen. 2018 unterstützte SPORTFIVE die NFL als Vermarktungspartner beim Markteintritt in Deutschland und ist mittlerweile in verschiedenen Bereichen für die Liga tätig. Dazu zählt unter anderem die Zusammenarbeit mit den Kansas City Chiefs, den New York Jets und den Atlanta Falcons sowie die Vermarktung der Hospitality-Pakete und umfangreiche Brand-Aktivierungen. Außerdem verantwortet SPORTFIVE seit 2022 die Umsetzung des NFL Flag Programms in Deutschland. Ziel dieser internationalen Expansionsstrategie ist es, die weltweite Präsenz der NFL weiter auszubauen. Zusätzliche Dynamik erhält die NFL in Deutschland durch das ebenfalls 2022 eingeführte Regular Season Game. "Deutschland hat sich in vielen Bereichen zum wichtigsten NFL-Markt außerhalb der USA entwickelt", so der NFL-Deutschland-Chef, Alexander Steinforth, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Attraktive Zielgruppe für Sponsoren

„Die NFL-Community liebt den Entertainment- und Event-Charakter im Football", erklärt Steinforth weiter. Gerade bei jüngeren Zielgruppen trifft das auf große Gegenliebe: „54% der American Football Fans sind zwischen 16 und 39 Jahre alt. Die Zielgruppe ist überwiegend jung, männlich, gut gebildet und kaufkräftig“, weiß Christan Koller, der als Senior Vice President Global Sales bei SPORTFIVE für die Vermarktung der NFL und der Kansas City Chiefs in Deutschland zuständig ist.

Besonders attraktiv für Sponsoren: Mit American Football erreichen sie ein nationales Publikum. Die Fans lieben die Sportart an sich und unterstützen eher nachgelagert einzelne Teams. „Der Community-Gedanke ist für American Football als Sport sehr wichtig. Das macht ihn auch für Marken interessant: Es geht hier um loyale Zielgruppen, die zudem extrem dankbar dafür sind, dass ihr Sport gefördert wird“, erklärt Julian Neuburger, Executiv Director Premium Partnerships International bei SPORTFIVE.

Im Vergleich zu Fußball ist American Football ein zugänglicheres Produkt – viele Marken, die sich dort engagieren, sind auch aufgrund der geringeren Budgets erstmals im Sponsoring aktiv. Ein weiteres Argument, das laut Julian Neuburger für ein Engagement spricht: „American Football ist unter anderem für Brands deshalb so interessant, weil der Sport in Deutschland eine noch relativ weiße Weste hat: Marken, die Lust haben, etwas Neues zu gestalten, finden hier ein gutes Umfeld.“

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