Red Formula 1 Car of Ferrari on a race track

Wie die Formel 1 zur Milliardenmaschine wurde

Veröffentlicht am
von SPOBIS GmbH

Die Formel 1 wächst schneller als viele andere Sportrechte. SPOBIS zeigt in diesem Gastbeitrag auf, welche Erlösquellen das Geschäft antreiben, wie Liberty Media die Serie transformiert hat und wo die nächsten Wachstumschancen liegen. 

2017 setzte die Formel 1 rund 1,83 Milliarden US-Dollar um. 2025 waren es 3,87 Milliarden US-Dollar. Seit Liberty Media die Rennserie übernommen hat, hat sich der Umsatz damit mehr als verdoppelt. 

Der Grund für das Wachstum liegt nicht allein im Sport. Die Formel 1 verkauft heute Medienrechte, Sponsoringflächen, VIP-Zugänge, globale Aufmerksamkeit und Startplätze in einem Rennkalender, der kaum noch wachsen kann. Aus der einst elitären Rennserie ist ein Entertainment-Geschäft geworden, das Technologiekonzerne, Luxusmarken, Investoren und Städte anzieht. 

Vom Rennsport zur globalen Medienmarke

Die Übernahme der Formel 1 durch Liberty Media Ende 2016 für rund acht Milliarden US-Dollar veränderte die Rennserie wirtschaftlich und medial. Zwar stand die Formel 1 solide da, das Wachstumspotenzial schien jedoch begrenzt. Die Vermarktung hing stark an klassischen TV-Verträgen, digitale Kanäle spielten kaum eine Rolle und Social Media galt lange eher als Risiko für Rechtehalter denn als Wachstumsmotor. 

Liberty änderte das Produkt. Die Formel 1 öffnete sich für soziale Medien, baute neue Content-Formate auf, machte Rennwochenenden stärker zu Entertainment-Events und rückte den US-Markt in den Fokus. Dazu kam ein anderer Blick auf Fahrer, Teams und Teamchefs. Sie wurden nicht mehr nur als sportliche Akteure vermarktet, sondern als Figuren in einem globalen Medienprodukt. 

Allein 2025 stiegen die Erlöse der Formel 1 um 14 Prozent. Die drei wichtigsten Einnahmequellen bleiben Medienrechte, Veranstaltergebühren und Sponsoring. Verändert hat sich vor allem, wie stark die Formel 1 diese Quellen inzwischen ausreizt. 

Apple zeigt den neuen Wert der Medienrechte

Die Medienrechte sind zum zentralen Wachstumstreiber der Formel 1 geworden. Der Rennkalender lässt sich kaum noch erweitern, die Werte bestehender Rechtepakete steigen weiter. Höhere Reichweiten, eine jüngere Fanbasis und die Nachfrage von Streamingplattformen stärken die Serie in Verhandlungen mit Medienunternehmen weltweit. 

2025 verzeichneten 18 von 24 Rennen in wichtigen Märkten ein Wachstum bei der Live-Zuschauerzahl. Der durchschnittliche TV-Wert pro Rennwochenende lag global bei rund 70 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern. 

Wie stark das Interesse an den Rechten gestiegen ist, zeigt unter anderem der neue US-Deal mit Apple. Der Technologiekonzern sicherte sich im Oktober 2025 die US-Übertragungsrechte für fünf Jahre und löste ESPN ab. Nach SPOBIS-Informationen bezahlt Apple rund 750 Millionen US-Dollar über die Vertragslaufzeit. Das entspricht etwa 150 Millionen US-Dollar pro Jahr und damit fast einer Verdopplung gegenüber dem bisherigen ESPN-Vertrag. 

Das wachsende Interesse an der Rennserie im US-Markt erklärt, warum Apple diesen Schritt geht. Die Formel 1 kommt dort inzwischen auf 52 Millionen Fans, ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Live-Zuschauerzahlen in den USA stiegen 2025 um 21 Prozent. Zudem ist der Markt für die digitalen Kanäle der Formel 1 besonders wichtig: In keinem Land erzielte die Serie 2025 mehr Youtube-Views. 

Der Deal passt auch in Apples Content-Strategie. Im Juni 2025 startete „F1 The Movie“ mit Brad Pitt in den Kinos. Die Apple-Originalproduktion spielte weltweit mehr als 630 Millionen US-Dollar ein und gilt damit als erfolgreichster Sportfilm der Geschichte. Für die Produktion wurden mehr als 185 Stunden Material bei 14 Grands Prix gedreht. Hinzu kamen über 2000 Stunden F1-Broadcast-Material. 

Apple kauft Live-Rechte, Filmstoff, Highlight-Clips und eine Fanbasis, die sich über mehrere Plattformen erreichen lässt. Für die Formel 1 eröffnet das neue Wege, um jüngere Zielgruppen anzusprechen. Laut „Formula 1 Season Review 2025“ sind 43 Prozent der weltweiten Fanbasis unter 35 Jahre alt. Unter den neu hinzugewonnenen Fans lag der Anteil der Unter-35-Jährigensogar bei 57 Prozent. 

Veranstalter zahlen für knappe Kalenderplätze

Neben den Medienrechten bleiben die Veranstaltergebühren eine der wichtigsten Einnahmequellen der Formel 1. Jeder Grand Prix zahlt eine Lizenzgebühr, um Teil des Rennkalenders zu sein. Mit 24 Rennen ist der Kalender weitgehend ausgereizt, was den Wert der bestehenden Plätze zusätzlich steigert. 

Für Städte und Staaten ist ein Formel-1-Rennen schon lange mehr als ein Sportevent. Es bringt TV-Bilder, Tourismus, Hospitality-Geschäft und globale Sichtbarkeit. Besonders staatlich unterstützte Rennen im Nahen Osten und neue Märkte mit internationalem Standortinteresse sind bereit, hohe Summen für einen Platz im Kalender zu zahlen.

KPIs zur Formel-1-Saison 2025

827 Mio.

Fans

11

neue Besucherrekorde

114,5 Mio.

Follower in den sozialen Medien

Zwischen Las Vegas Strip und Sphere: Seit 2023 ist ist die größte Stadt im US-Bundesstaat Nevada wieder Teil des Formel-1-Rennkalenders – mit großem Erfolg. (Foto: picture alliance / DPPI media | Xavi Bonilla)

In der Saison 2025 erreichte die Formel 1 mit 6,7 Millionen Besucherinnen und Besuchern an den Strecken einen neuen Rekord. 19 der 24 Events waren ausverkauft, elf Rennen stellten neue Besucherrekorde auf. Vier Rennwochenenden kamen auf mehr als 400.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, darunter Australien mit 465.000 und Großbritannien mit 500.000. 

Besonders sichtbar wird der neue Wert eines Grand Prix in Las Vegas. Die Formel 1 agiert dort selbst als Promoter und verdient direkt an Ticketing, Hospitality und Eventerlösen. 2025 kamen am Rennwochenende mehr als 300.000 Besucherinnen und Besucher. Rund um den Grand Prix entstanden laut Formel 1 mehr als 450 Millionen Video Views, 60 Millionen Online-Interaktionen und 1,8 Milliarden Creator-Impressions. 

Las Vegas zeigt, wie die Formel 1 Rennwochenenden inzwischen versteht: als Plattform für Sport, Entertainment, Sponsoring, Hospitality und Business-Netzwerke. Im Paddock Club standen 2025 unter anderem 44 private Suiten und fünf Shared Suites zur Verfügung. Liberty Media nutzte das Wochenende zudem für einen eigenen F1 Business Summit mit Partnern, Investoren und Branchenentscheidern. 


Globale Partner wie AWS, Lenovo, American Express, Salesforce oder Qatar Airways nutzen die Formel 1 als internationale Kommunikationsplattform. 2025 kam mit LVMH einer der wichtigsten Luxusgüterkonzerne der Welt hinzu. Der Zehnjahresvertrag soll nach SPOBIS-Informationen rund eine Milliarde US-Dollar wert sein. Eingebunden sind unter anderem TAG Heuer, Moët Hennessy und Louis Vuitton. 

Seit 2020 hat die Formel 1 die Zahl ihrer Partner nahezu verdreifacht: von zwölf auf mehr als 30. Die globale Fanbasis liegt bei 827 Millionen Menschen. Das entspricht einem Wachstum von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr und 63 Prozent gegenüber 2018. Die Fanbasis hat sich ebenfalls verändert. 42 Prozent der Fans sind weiblich, 2018 waren es 37 Prozent. Allein 2025 kamen 43 Millionen weibliche Fans hinzu. Unter den neuen Fans lag der Frauenanteil bei 48 Prozent. 


Social Media hat die Vermarktung zusätzlich verändert. 2025 erreichte die Formel 1 insgesamt 114,5 Millionen Social-Media-Follower, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2018 ist die Zahl von 18,7 Millionen auf mehr als das Sechsfache gestiegen. Die F1-Kanäle erzielten 2025 mehr als 2,3 Milliarden Engagements. Für Sponsoren ist diese Entwicklung zentral. Die Formel 1 liefert nicht mehr nur Logo-Sichtbarkeit auf Autos, Banden und Overalls. Sie liefert Content, Hospitality, Social-Media-Reichweite, Zugang zu Entscheidern und Präsenz in Märkten auf fünf Kontinenten.


Der Netflix-Effekt als Beschleuniger

Ein wichtiger Auslöser für den Popularitätsschub war „Drive to Survive“. Die Netflix-Serie startete 2019 und machte Fahrer, Teamchefs, Rivalitäten und interne Konflikte für ein Publikum zugänglich, das zuvor kaum Berührungspunkte mit Motorsport hatte. 

Besonders in den USA half die Serie, die Formel 1 aus der Nische zu holen. Sie erklärte Rennen, erzählte aber vor allem Figuren. Aus Fahrern wurden Protagonisten. Aus Teamchefs wurden Gesichter. Aus technischen Entscheidungen wurden Konflikte, die auch Gelegenheitsfans verstehen konnten. 

Inzwischen hängt das Wachstum der Formel 1 nicht mehr allein an Netflix. Die Serie hat ein eigenes digitales Ökosystem aufgebaut. Youtube-Highlights legten 2025 um 33 Prozent zu. Auf Tiktokverzeichnete die Formel 1 mit einem Wachstum von 91 Prozent gegenüber dem Vorjahr die stärkste Entwicklung aller Social-Media-Plattformen. 

Auch neue Formate jenseits der Rennstrecke zeigen, wie die Formel 1 Aufmerksamkeit monetarisiert. Der globale Saisonlaunch „F1 75 Live“ in der Londoner O2 Arena war binnen 20 Minuten ausverkauft. 16.000 Fans waren vor Ort, 7,5 Millionen Menschen verfolgten die Übertragung über die F1-Social-Kanäle. 

Warum die Teams heute Milliarden wert sind

Das Wachstum der Serie hat auch die Teams verändert. Sie sind heute deutlich wertvoller als vor wenigen Jahren. Ein zentraler Grund dafür ist das 2021 eingeführte Budget Cap. Die Ausgaben der Rennställe sind begrenzt, während Einnahmen aus Preisgeldern, Sponsoring, Merchandising und Investorengeldern steigen. Dadurch können Teams planbarer wirtschaften und profitabler werden. 

Die Bewertungen zeigen den Effekt. Ferrari gilt mit rund 7,1 Milliarden US-Dollar als wertvollstes Team der Formel 1. Mercedes liegt bei etwa 6,4 Milliarden US-Dollar, McLaren bei rund 5,2 Milliarden US-Dollar. Red Bull Racing wird inzwischen auf knapp fünf Milliarden US-Dollar geschätzt. Selbst kleinere Rennställe erreichen heute Unternehmenswerte, die vor wenigen Jahren in der Formel 1 kaum vorstellbar waren. 


Der Einstieg von Cadillac zeigt ebenfalls, wie begehrt ein Platz in der Serie geworden ist. Der US-Hersteller akzeptierte Berichten zufolge Zahlungen von rund 500 Millionen US-Dollar, um die wirtschaftlichen Auswirkungen eines zusätzlichen Teams auf die bestehenden Teilnehmer auszugleichen. 

Cadillac ist dabei kein Einzelfall. Die steigenden Teamwerte und die wirtschaftliche Stabilität der Serie haben auch andere Hersteller zurück auf die Formel-1-Bühne gelockt. Audi ist seit der Saison 2026 durch die Übernahme des Sauber-Teams erstmals als Werksteam in der Formel 1 vertreten. Ford arbeitet seit 2026 als Motorenpartner mit Red Bull Powertrains zusammen. Für Hersteller ist die Serie wieder attraktiver geworden, weil sie globale Sichtbarkeit, Technologiepositionierung und Zugang zu jungen Zielgruppen kombiniert. 

Wo noch Wachstumschancen liegen

Der Rennkalender ist mit 24 Veranstaltungen auf fünf Kontinenten weitgehend ausgeschöpft. Zusätzliches Wachstum kommt daher vor allem aus höheren Erlösen pro Rennen, pro Rechtepaket, pro Sponsor und pro Fan. Dazu zählen neue Medienrechteverträge, weitere Sponsoringkategorien, mehr Premiumangebote im Hospitality-Bereich, digitale Produkte und Direktkundenangebote. Die Formel 1 muss aus bestehenden Rennen mehr Geld erlösen, weil neue Rennen nur begrenzt möglich sind. 

Langfristige Verträge sichern diese Vermarktung ab. Miami und Österreich sind inzwischen bis 2041 an die Formel 1 gebunden, Las Vegas bis 2037. Kanada und Monaco bleiben bis 2035 im Kalender, Austin bis 2034 und Aserbaidschan bis 2030. Dazu kehrt Portugal ab 2027 mit einem Rennen in Portimão zurück. 

Das Sprint-Format könnte ein weiterer Wachstumshebel sein. Laut Formel 1 wünschen sich durchschnittlich 78 Prozent der Fans, dass Sprint-Wochenenden im Kalender bleiben. 2025 erzielten Sprint-Wochenenden mehr Erwähnungen in sozialen Medien und eine höhere Reichweite in sozialen Netzwerken als klassische Rennwochenenden. Für 2027 stellte Formel-1-CEO Stefano Domenicali bereits eine Ausweitung des Formats in Aussicht. 

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